Presse – 2008

Zeichen setzen gegen die Armut

Torgau (TZ/ug). Der Verein Torgau-Oschatzer Tafel hat für morgen zu einer „Langen Tafel“ in die August-Bebel-Straße 16 eingeladen. Terminlicher Anlass ist der 2. Deutsche Tafeltag im 15. Jahr der Tafel-Bewegung. Inhaltlicher Hintergrund ist jedoch, unter dem Motto „Zeichen setzen gegen Armut“ nach einjähriger Tafelarbeit in Torgau mit den Torgauern ins Gespräch zu kommen und Inhalte zu vermitteln. „Wir begrüßen nicht nur die Bedürftigen der Stadt und des Altkreises Torgau, sondern alle Interessierten, die etwas über unsere Arbeit erfahren möchten. Außerdem wollen wir die Öffentlichkeit vor Erntedank darauf aufmerksam machen, dass in unserem Land weiterhin Not herrscht. Not, die die Tafeln jeden Tag wieder lindern helfen“, so die Vorstandsvorsitzende der Torgau-Oschatzer Tafel, Rechtsanwältin Doreen Schubert.
Eingeladen und angeschrieben sind Landrat, die Bürgermeisterin, die Fraktionen des Stadtrates und andere Vertreter des öffentlichen Lebens. Die Torgauer Tafel versorgt derzeit 1150 Bedürftige mit einem Zubrot, im Oschatzer Raum sind es rund 1500. Wer Leistungen der Tafel in Anspruch nehmen will, muss seine Einkommensverhältnisse offenlegen. In der von allen örtlichen Tafeln anerkannten Satzung des Bundesvorstandes der Tafeln ist vorgegeben, dass das Einkommen der Bedarfsgemeinschaft nicht über dem Vierfachen des Regelsatzes der Sozialhilfe liegen darf. Bei Rentnern sind das zum Beispiel nach Abzug der Wohnungskosten 856 Euro.
Nachdem die Bedürftigen ihren SGB II- oder Rentenbescheid vorgelegt haben – dies übrigens jedes Jahr neu – erhalten sie einen Jahresausweis, mit dem sie wöchentlich einmal für einen Unkostenbeitrag von vier Euro bei der Tafel ein bereits fertig gepacktes „Musterpaket“ oder – je nach Personenzahl – mehrere erhalten, gegebenenfalls mit individuellen Abänderungen. Dienstag und Donnerstag sind die Ausgabetage. Bevor die Bedürftigen aber ihr Zubrot in Empfang nehmen können, ist eine umfangreiche Arbeit notwendig, die in Torgau mit fünf ABM-Kräften, drei Ein-Euro-Jobbern und fünf regelmäßig tätigen ehrenamtlichen Helfern geleistet wird. Täglich sind zu verschiedenen Zeiten die Bäcker und Discounter anzufahren, einmal pro Woche eine zentrale Ausgabestelle des Dachverbandes in Dresden.
Danach sind die Lebensmittel zu sortieren, das Gemüse zu putzen und gegebenenfalls zu portionieren. Bei der Ausgabe werden ebenfalls stets alle Hände gebraucht. „Wir würden uns sehr freuen, wenn weitere Ehrenamtliche den Weg zu uns finden würden“, wirbt Geschäftsführerin Rita Brückner für die karitative Arbeit. In Oschatz kann sie sich nach drei Jahren neben den zehn geförderten Angestellten auf vierzig freiwillige Helfer stützen.
Davon kann Helga Woy, die in Torgau die Fäden der Organisation zusammenhält, derzeit nur träumen: „Es gibt jeden Tag eine Unmenge an Arbeit, aber wir tun das gern und aus Überzeugung.“ Die Torgau-Oschatzer Tafel ist ein selbstständiger, rechtskräftig eingetragener gemeinnütziger Verein. Die Einnahmen, die ausschließlich aus den Vier-Euro-Beträgen, Sachkosten der Arbeitsagentur und leider immer geringer werdenden Sponsorengeldern bestehen, fließen auf ein eigenes Konto, aus welchem auch die Ausgaben zu bestreiten sind. Dies sind im Wesentlichen die Finanzierung der notwendigen Fahrzeuge, Transportkosten, Miete, Betriebskosten und Geld für Arbeitsmittel wie Hygienehandschuhe und Verpackungen. Wer sich für die Arbeit der Torgau-Oschatzer Tafel interessiert, sollte die Gelegenheit des Tages der offenen Tür morgen zwischen 11 und 15 Uhr nutzen. Für ein kostenloses warmes Mittagessen ist auch gesorgt.
Quelle: Torgauer Zeitung, 02.10.2008