Presse – 2009

Tafel unter Druck

Der Torgauer Verein zog anlässlich des 3. Deutschen Tafeltages Bilanz

Torgau (TZ). Die Torgauer Tafel hatte in dieser Woche anlässlich des 3. Deutschen Tafeltages Bedürftige, Sponsoren und Mitarbeiter zu einem gemeinsamen Frühstück eingeladen. Zum einen, um die Arbeit der ehrenamtlichen Mitarbeiter in der Tafel zu würdigen, aber auch, um über aktuelle Probleme ins Gespräch zu kommen. Leiterin Helga Woy berichtete, dass es aktuell sehr großer Anstrengungen bedarf, damit die Hilfe für die derzeit fast 1200 Bedürftigen, darunter über 300 Kinder, gesichert werden kann. Das werde nach außen nicht immer für jeden sichtbar.

Sinkende Produktmengen
So ließe die Menge der in der Region erhältlichen Lebensmittel deutlich nach. Mittlerweile gebe es Entwicklungen, dass spezielle „reisende Firmen“ Bestände von Ware, die kurz vor dem Endverbrauchsdatum steht, aufkaufen, um sie „weiter östlich“ gewinnbringend abzusetzen. Manche Hersteller ließen sich darauf ein, weil sie so im Gegensatz zur kostenlosen Abgabe an die Tafel wenigstens noch einen Minimalpreis erzielten. Neu aufgetreten sei auch das Agieren ausgewählter Hallen, die für die Tafel in Frage kommende Ware so stark preislich zu senken, zum Teil bis auf 1 Cent, dass sie dann doch noch gekauft wird. Tafel-Mitarbeiter erzählten in dem Gespräch, dass ihnen immer häufiger Waren – insbesondere Gemüse und Obst – ausgehändigt werden, die nur noch entsorgt werden können. Andererseits beobachte man, dass in die Abfallcontainer zuweilen große Mengen von Waren wandern, zum Beispiele Fette und Kaffee, die das Mindesthaltbarkeitsdatum noch nicht erreicht haben und auch noch visuell einen recht problemlosen Eindruck machen. Dies könne man sich nicht erklären.

Aufgrund der sinkenden Menge des an den Dienstagen und Donnerstagen in Torgau Verteilbaren, reduzieren sich die Lebensmittelmengen, die am Mittwoch und Freitag in Dommitzsch beziehungsweise Belgern ausgegeben werden können. „Aber was sollen wir von dem Wenigen, was wir derzeit bekommen, noch vorher wegpacken?“, fragte Mitarbeiterin Jana Stephan, ohne dass man darauf eine schlüssige Antwort parat hatte. Christine Noack, ehrenamtliche Helferin der Torgauer Tafel aus Dommitzsch, regte an, gemeinsam mit Hartz-IV-Empfängern, Obst von Straßenbäumen einzusammeln und zur Verteilung zu bringen, beziehungsweise einzukochen. Des Weiteren könne man sich an die Kirchen wenden, um eventuell Gaben von den Erntedankfesten zu erhalten.

Obwohl die Produkte immer weniger werden, nimmt die Zahl der Bedürftigen ständig zu. „Wie kommen wir über den Winter. Was sollen wir tun?“, fragte Hans-Jörg Woy. „Neue Bedürftige abweisen, wie es anderswo bereits praktiziert wird?“ Auch diese Frage musste in der Runde offen bleiben, wobei man sich schon in der Tendenz dazu bekannte, niemanden auch in Zukunft abweisen zu wollen. Große Hoffnungen setzt Helga Woy in ein bevorstehendes Gespräch mit Landrat Michael Czupalla, an welchem auch die Oschatzer und die Delitzscher Tafel teilnehmen sollen. Der Landrat ist Schirmherr der Delitzscher Tafel und interessiert sich für die Arbeit der Torgauer. „Im Gegensatz zur Stadtverwaltung“, bemerkte Helga Woy. Seitens der Kreisstadt gebe es weder moralische noch finanzielle Hilfen. Und: „Es tut weh, wenn dann noch Stadträte Unwahrheiten über uns verbreiten…“

Mit Optimismus
Trotz all dieser Negativtendenzen machte Helga Woy deutlich, wie der Verein sich mit Optimismus bemüht, die Aufgaben zu erfüllen und zusätzliche Angebote zu unterbreiten. So sind für die nächsten Monate gemeinsame Kochabende, Kinder- und Weihnachtsveranstaltungen geplant. Über eine zentrale Pfandspende erhält die Torgauer Tafel 5000 Euro für eine neue Tiefkühlzelle. An ausgewählten Pfandautomaten kann neuerdings Leergut zurückgegeben werden, wobei das Pfandgeld der Tafel zugute kommt. Beworben hat sich die Torgauer Tafel außerdem um die alte Konsumfiliale in der Naundorfer Straße. Hierzu gibt es aber noch keinerlei Aussagen.

Quelle: Torgauer Zeitung, 01.10.2009


Weniger Spenden, mehr Bedürftige

Torgau (TZ). Der Verein Tafel Torgau zog kürzlich in seiner Gesamtmitgliederversammlung Bilanz. Die Zahl der durch den Verein betreuten registrierten Bedürftigen ist in dem reichlich einem Jahr seines eigenständigen Bestehens auf 1070 Menschen angewachsen, Tendenz steigend. Wöchentlich werden drei bis sieben Bedarfsgemeinschaften neu registriert. In der Zeit vom 10. April 2008 bis 31. Dezember 2008 wurden in der Torgauer Region 62 Tonnen Lebensmittel ausgegeben, die von Discountern, Lebensmittelmärkten, Bäckern, der Gartenanlage Torgau Süd (Gemüse, Obst, Kräuter), der Kirche Dahlenberg und der Bevölkerung zur Verfügung gestellt wurden.

Insgesamt jedoch ist die Tendenz der Lebensmittelbereitstellung fallend, angesichts der weiter steigenden Zahl der Bedürftigen sogar „besorgniserregend“, sagt die Vorstandsvorsitzende der Torgauer Tafel, Doreen Schubert. „Es ist sehr schade und nur zu bedauern, dass einige Geber keine Lebensmittel mehr zur Verfügung stellen“, so die Torgauer Rechtsanwältin. Im oben genannten Zeitraum wurden im Altkreis Torgau insgesamt 5879 Brote und 45 053 Brötchen an Bedürftige ausgegeben, und der Bedarf sinkt nicht etwa, sondern steigt weiter an.

Einmal pro Woche fährt die Torgauer Tafel zur Lebensmittelbank für Sachsen nach Dresden, die vom Tafel-Landesverband aufgebaut wurde und betrieben wird. Ohne die von dort bereitgestellten Lebensmittel könnte die Torgauer Tafel nicht in dem Umfang agieren, wie dies zurzeit der Fall ist. Dienstag und Donnerstag sind in Torgau Ausgabetage, Mittwoch in Beilrode (derzeit 16 Bedarfsgemeinschaften), Mittwoch und Freitag in Belgern (derzeit 37 Bedarfsgemeinschaften). Donnerstag erhalten zwei Bedarfsgemeinschaften in Dommitzsch Lebensmittel im Zusammenhang mit einer Abholungsfahrt beim dortigen Discounter. Nicht befriedigend ist auch die personelle Situation. Mit einer über den Berufseingliederungszuschuss geförderten Vollbeschäftigten, zwei ABM und vier Ein-Euro-Jobbern ist die Torgauer Tafel momentan stark unterbesetzt. Sieben Ehrenamtliche unterstützen besonders an den Ausgabetagen. „Da darf niemand fehlen, sonst ist die Arbeit nicht zu bewältigen“, weiß Doreen Schubert.

Helga Woy, die in Torgau als Rentnerin die Geschicke in der Hand hat, bedauert die fehlende Unterstützung durch Kreisstadt und Landratsamt. „Uns fehlen finanzielle Mittel für Projekte. Auch ist die Zukunft des Gebäudes August-Bebel-Straße 16, in dem wir eingemietet sind, ungewiss. Im Juni kommt es zum wiederholten Mal zu einer Zwangsversteigerung. Was, wenn sich ein neuer Eigentümer findet?“ Seit Monaten bemühe sich die Tafel um grüne Fahrzeugkennzeichen, um wenigstens die Steuer zu sparen. Bislang umsonst.

Der Tafel-Verein (36 Mitglieder) bemüht sich um Transparenz. Mit einem speziell entwickelten Computer-Programm erfolgt die lückenlose Nachweisführung zur Bedürftigkeit der betreuten Personen, zur Einhaltung und Kontrolle der hygienischen Anforderungen, zu den Ein- und Ausgaben. Sämtliche Unterlagen werden vom Steuerberater geprüft.

Bei allen Problemen kann auf einige Höhepunkte im vergangenen Jahr verwiesen werden. Gut in Erinnerung ist noch die Feier zu 15 Jahre Tafel Deutschland und 1. Jahresjubiläum der Torgauer Tafel am 3. Oktober, die Weihnachtspäckchenaktion, der Besuch des Weihnachtskonzertes der Dresdener Philharmonie und des Weihnachtszirkusses für bedürftige Kinder in Dresden. Großzügige kostenlose Kartenkontingente hatten die letztgenannten Termine ermöglicht. Für den Torgauer Weihnachtszirkus hätten wir keine Mittel gehabt“, so Helga Woy abschließend.

Quelle: Torgauer Zeitung, 08.05.2009

Die Freude der Kinder ist das Schönste

Torgau (TZ/ug). Noch hält Helga Woy, Schatzmeisterin des Vereins Torgau-Oschatzer Tafel, die Fäden für die Torgauer Tafel in der Hand. Doch sie freut sich, bereits eine Nachfolgerin einarbeiten zu können, die voraussichtlich im September 2010 vom Vorstand in die Stelle der leitenden Mitarbeiterin eingesetzt wird.

Die Torgauerin Jana Stephan (33) kam im Oktober 2007 über eine Arbeitsbeschaffungsmaßnahme zur Tafel und fand von Anbeginn Gefallen an der Arbeit. „Am wichtigsten ist es mir schon immer gewesen, mit Menschen zu tun zu haben. Den ganzen Tag im Büro zu sitzen, das wäre absolut nicht meine Sache.“
Die gelernte Hotelfachfrau muss derzeit überall einspringen, wo Kräfte fehlen. Mit zwei ABM und drei Ein-Euro-Jobbern ist die Torgauer Tafel momentan stark unterbesetzt, denn über die neuen Anträge haben Arbeitsamt beziehungsweise ARGE immer noch nicht entschieden. Einen Hauptteil der Arbeit von Jana Stephan nimmt aber immer noch die Einpflege der Daten neuer Bedürftiger in die Computerkartei ein. Dazu müssen die Bedürftigen eine Erklärung abgeben, circa 1300 Personen sind schon eingetragen, Tendenz steigend.

„Am schönsten ist es mitzuerleben, wenn sich Kinder aus Bedarfsgemeinschaften schon über kleine Dinge herzlich freuen, wie zum Beispiel vor Weihnachten, wo wir mit ihnen im Zirkus waren“, bekennt die ledige Mutter einer dreizehnjährigen Tochter. Doch bei aller Freude ist der jungen Frau auch bewusst, dass ihre Tätigkeit bei der Tafel kein Job ist, bei dem man auf feste Arbeitszeiten setzen kann. Überstunden und unregelmäßige zeitliche Belastung liegen in der Natur der Sache. Trotzdem bleibt immer noch Freizeit, die Jana Stephan natürlich gern mit ihrer Tochter, aber auch mit Freunden oder ganz einfach mit Lesen verbringt.

Quelle: Torgauer Zeitung, 10.02.2009